SAN FRANCISCO UND HAWAII

Da wir im südlichen Andalusien den größten Teil des Jahres verbringen, sind wir auch von dort gestartet. Ein deutsches Reisebüro hatte für uns die Flüge gebucht. Diese stammten fast alle von dem Airline-Zusammenschluss namens "Star-Alliance", und es wurde insgesamt etwas günstiger. Dadurch hatten wir aber auch ein paar unsinnige Umwege in Kauf zu nehmen. So ging der erste unserer leider(!) 16 Flüge(!) von Sevilla, der Hauptstadt von Andalusien, nach Zürich! Aber wir freuten uns vor allem auf die Begegnungen mit den Menschen in den fremden Ländern

Schon in Sevilla wurde steif und fest behauptet, man könne unser Gepäck nicht nach San Francisco durchschicken, da es sich um zwei verschiedene Systeme handele. Noch im Flieger wurden wir von einer freundlichen Flubegleiterin darauf angesprochen, dass wir in Zürich an einen bestimmten Schalter gehen sollten. In Zürich beteuerte man, die Koffer seien sicher nach San Francisco unterwegs. Dort angekommen mussten wir aber feststellen, dass dem mitnichten so war. Erst drei Tage später und unter heldenhaftem Einsatz des Hotelpersonals vom Golden-Gate-Hotel fand sich unser Gepäck in unserem Zimmer ein. Inzwischen hatten wir bei "Walgreen's" Unterwäsche, T-shirts und Zahnbürsten erstanden.
Christa hatte sich im Fahrtwind auf dem Hop-On-Hop-Off-Bus eine fette Erkältung eingefangen, die sie den Rest der Reise quälen sollte und ich wurde mit einem mächtigen Sonnenbrand auf der Glatze "beglückt", weil unsere jeweils passende Kleidung nicht da war. 
Dennoch haben wir uns an diesem Sehnsuchtsort deutscher Touristen wieder so richtig wohlgefühlt. Da wir schon drei- oder viermal hier waren, haben wir nicht mehr alle Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Es ging uns mehr darum, Atmosphäre zu schnuppern. Dabei haben wir schöne, neue Plätze gefunden, wie z.B. das Café Trieste in Little Italy. Auch neu war uns der riesige Golden-Gate-Park. Darin fanden wir durch Zufall im De-Young-Museum eine wunderbare Ausstellung mit dem Alterswerk von Claude Monet, meinem Herzensmaler.

Die meisten Touristen erreichen Hawaii via Honolulu auf der Insel Oahu. Alle diese Staaten im Pazifik, die unter einem einzelnen Namen bekannt sind, bestehen aus mehreren, z.T. auch aus sehr vielen Inseln. So kann so ein Inselstaat, wie z.B. die Cook-Inseln, die wir auf der letzten Weltreise besuchten, schon einmal aus vierhundert Inseln bestehen, die eine Ausdehnung wie Mitteleuropa aufweisen, jedoch doch nur eine geringe Bevölkerungsanzahl beherbergen.
Aber zurück zu Hawaii.

Oahu
Die Insel Oahu zählt nicht zu den größten Schönheiten des Archipels. Wenn man westwärts um die Insel fahren will, stößt man bald auf Sperrzäune und Tore, denn ein gehöriger Teil der Insel ist militärisches Sperrgebiet. Da kommt man leicht einmal auf einer kleinen Landstraße an eine Sperre, die aussieht, als hätte sie ein renitenter Farmer installiert: „No Trespassing. Private property.“. Ignoriert man das, wie wir es einmal getan haben, schaut man aber sehr rasch in die Läufe von Maschinenpistolen, die einem von ungemütlich aussehenden Uniformierten entgegengehalten werden. Der größte Militärkomplex dieser Insel ist gleichzeitig ein riesiges Museum: Pearl Harbour. Man kann es nicht auslassen, aber wir haben es leidenschaftslos „mitgenommen“. Es ist das Monument der größten Dämlichkeit des amerikanischen Militärs im 2. Weltkrieg, sich dort völlig verblüfft von den Japanern überfallen zu lassen. Heute aber ist es eine widerliche Heldengedenkstätte, an der die Geschichte geklittert wird, wie die Amis das gern tun.

Honolulu
Die Hauptstadt des Staates Hawaii ist Honolulu. Das ist eine typische amerikanische Millionenstadt mit sechsspurigen Autobahnen, Wolkenkratzern und Shopping-Malls. Der berühmte Waikiki Beach ist ein Hotel-Hochhaus-Viertel mit Strandanhängsel. Kaum ein Unterschied zu Miami-Beach oder Surfer’s Paradise in Australien. Wir wohnten dort und sahen hauptsächlich Beton und Marinas.
Am Südrand von Waikiki-Beach liegt ein Wahrzeichen der Stadt: Diamond Head. Das ist ein erloschener Vulkan, in dessen Mitte man einen riesigen Parkplatz eingerichtet hat. Um es kurz zu machen, der Parkplatz war heillos überfüllt. Wir konnten nicht parken, hatten auch keine Lust, auf den Kraterrand zu klettern, nur um von dort einen ähnlichen Blick auf Waikiki zu haben wie von unserem Wolkenkratzer-Hotel aus.
Viel interessanter fanden wir das Bishop-Museum, das zwar ein altmodisches Völkerkundemuseum ist, allerdings mit dem Vorteil, dass dort nur authentische von dort stammende Exponate gezeigt werden. Also das Rautenstrauch-Joest in Köln, das Senckenberg in Frankfurt oder das Museum König in Bonn sind prall gefüllt mit geklauten Exponaten.
Auf der Ostseite der Insel kommt man weiter, bis nach Norden, vorbei an schönen Buchten und malerischen Siedlungen, stets durchdrungen von der allfälligen Dschungel-Vegetation. 

Maui
Die zweite Hawaii-Insel auf unserer Reise war Maui. Dort landeten wir im Städtchen Kahului, wo wir ein sehr hübsches Hotel direkt am Strand vorfanden. Die gleich dazu gehörende authentische hawaianische Küche überzeugte uns restlos von der richtigen Wahl. 
Das eigentliche Abenteuer war aber die Fahrt über den Hana Highway, oft auch als Hana-Road bezeichnet, was den Kern der Sache schon viel eher trifft. Es handelt sich nämlich um eine enge, gewundene Straße, die genau genommen nur zur über 105 Kilometer entfernten Hana-Ranch führt. Dabei muss man 54 einspurige Brückchen passieren und sich mit Tausenden ängstlicher amerikanischer Autofahrer abfinden. Der Kurvenreichtum kann es mit manchem Alpenpass durchaus aufnehmen, obwohl diese Panoramastraße freilich immer nah am und über dem Meer verläuft und atemberaubende Aussichten bietet. Viele Naturschönheiten, Wasserfälle, Dschungelgebiete, altes Brauchtum findet man auf diesem spektakulären Weg. Am Ende erreicht man das Dorf Hana, das sich rund um die gleichnamige Ranch als kleiner Kurort mit 709 Einwohnern entwickelt hat. Die Tier- und Pflanzenwelt, aber auch manch Uriges von Menschenhand waren diesen Ausflug allemal wert.
Die Fahrt nach Hana und weiter ging sozusagen im Uhrzeigersinn um einen Großteil der Insel Maui herum. Aber Maui hat noch mehr zu bieten. Deshalb bewegten wir uns von Kahului aus bei nächster Gelegenheit gegen den Uhrzeigersinn um den größten Teil der Insel, um dann in ihrer Mitte den berühmten erloschenen Vulkan Haleakala zu besuchen. Mit 3055 Metern Höhe und einem bedeutenden Observatorium auf der Spitze ist er allemal einen Besuch wert. Seine Aussichten und Sonnenuntergänge sind berühmt. Leider will die amerikanische Regierung das Observatorium derzeit massiv vergrößern, was zum entschiedenen Widerstand der hawaiianischen Ureinwohner führt, denn ihnen ist der Haleakala heilig.
Auf dem Weg machten wir auch noch in einer anderen kleinen Berühmtheit Station, Grandma's Coffee House. Der Name verrät schon, dass es sich um eine altmodische kleine Kneipe für Kaffee und kleine Speisen handelt, nichts Besonderes, aber für uns und viele andere eine Erinnerung wert. Wir haben dort unsere ersten rohen Kaffeebohnen direkt vom Strauch gepflückt. Überhaupt ist Hawaii auf fast allen Inseln ein Archipel des Kaffeeanbaus. Am bekanntesten ist der Kona-Coffee von Big Island, aber davon gleich mehr. Der Kaffee der anderen Inseln schmeckte uns ebenso gut und er ist überall recht teuer.

Big Island
Die größte Insel des Archipels heißt Hawai'i, genau wie das Ganze, das danach benannt wurde. Aber weil Amerikaner Verwechslungen nicht mögen und es gern eindeutig haben, hat sich der Name "Big Island" eingebürgert, was in der Natur der Sache liegt. Big Island heißt nicht nur so, sondern ist tatsächlich schon eine stattlich große Insel. Deshalb wählten wir auch gleich zwei Basisstationen. Die erste war Kailua-Kona, der Ort, wo im Oktober 2019 Anne Haug und Jan Frodeno den härtesten Triathlon der Welt, den Ironman, gewonnen haben und deutsche Weltmeister auf der heißen, fernen Insel wurden. Wir haben uns die Schauplätze natürlich genau angeschaut. Und am "Muttertag" saßen wir an einem erfrischenden Morgen mitten in Kailua beim Frühstück auf einer tollen Hochterrasse mit wuderschönem Blick auf die Bucht, in der einige Monate später die Wettkämpfe dieses berühmten Triathlons starten.
Kona bezeichnet dabei mehr die Gegend, die das Örtchen Kailua umgibt. Es ist ein langer Küstenstreifen. Aber eigentlich werden beide Namen zusammen oder getrennt für den Ort und die Gegend verwendet.
Wir hatten eine seltsame, extrem schwer zu findende Unterkunft, mehr etwas für Taucher und Surfer. Und wenn uns ein freundlicher, junger Mann auf seinem Moped nicht hingelotst hätte, würden wir wohl noch immer suchen. Das etwas heruntergekommene, ebenerdige Apartement hatte ein Himmelbett, abgewohntes Mobiliar und Waschbecken und Küchenbecken waren eins. Ebenerdig in solcher touristisch sehr frequentierten Gegend kein Fenster schließen zu können, denn der Moskitodraht war die einzige Barriere, das war für uns doch ein wenig gewöhnungsbedürftig.
Big Island ist landschaftlich sehr vielfältig. Das reicht von riesigen Vulkanen, die allerdings in diesem Jahr inaktiv waren, bis hin zu hinreißendem Regenwald, der alle Dschungelbuch-Klischees übertrifft. Die Ausbrüche des letzten Jahres haben wir zwar verpasst, aber ihre Auswirkungen konnten wir in riesigen, schwarzen, erkalteten Lavastraßen an vielen Orten auf der Insel bewundern.
Unser zweiter Standort war Hilo auf der Ostküste. Die Stadt ist vom Tourismus weitgehend verschont geblieben und zeigt deshalb so etwas wie das wahre Gesicht Hawaiis. Man sieht viel Armut und heruntergekommene Häuser. Allerdings ist die Lage der Stadt mit ihren Art-Decó-Häusern auch sehr beeindruckend. Ein Großteil der Stadt ist vor langen Jahren von einem Tsunami weggerissen worden. Es gab viele Tote. Jetzt ist dort ein Park, in dem eine Uhr zu sehen ist, die damals stehenblieb. Sie blieb im wahrsten Sinne stehen und die Zeit ist noch heute abzulesen, als der Tsunami kam.
Aber auch die Umgebung von Hilo mit Wasserfällen und Dschungelgebieten ist äußerst sehenwert. Wir entdeckten ein privat geführtes Zuckerrohrmuseum und lernten, dass die inzwischen abgestorbene Zuckerindustrie dort Menschen aus vielen Ländern der Erde angelockt hatte. Die größte Gruppe waren Japaner, wie man auf dem weitläufigen Friedhof nahebei erkennen kann. Sie wurden wie Sklaven behandelt und ausgebeutet. Und als ihre Landsleute Pearl Harbor angegriffen hatten, wurden sie interniert und enteignet. Auch im Museum wurden wir von zwei entzückenden japanischen Ladies empfangen, die hier als Angestellte das Erbe ihrer Vorfahren behüten.
Von Hilo aus verließen wir Hawaii und machten uns auf den Weg mit Hawaian Airlines zurück nach Honolulu und weiter zu unserer Zwischenstation Auckland, Neuseeland.

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