Seit weit mehr als zehn Jahren bin ich ehrenamtlicher Leiter der Ortsgruppe Ratingen der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e.V.
Die Griffelkunst-Vereinigung wurde 1925 von dem Hamburger Volksschullehrer Johannes Böse gegründet. Mit 79 Mitgliedern nahm sie ihre Editionstätigkeit auf.
Böse entstammte der kunstpädagogisch stark engagierten Hamburger Lehrerschaft, auf die das Wirken Alfred Lichtwarks an der Hamburger Kunsthalle großen Einfluss ausgeübt hatte. Lichtwark vertrat schon um 1895 die Ansicht, das graphische Blatt müsse als das dem Bürger am leichtesten erreichbare Kunstobjekt aus Gründen der Bildung und der Kunstförderung gezielt verbreitet werden, und unternahm deshalb mit der von ihm ins Leben gerufenen Gesellschaft für Hamburgische Kunstfreunde den Versuch einer ersten Graphikedition.
Diese Bemühungen fanden in verschiedenen Gruppierungen Widerhall, in zwei Arbeiterkulturorganisationen ebenso wie in der Hamburger Lehrerschaft. Die gezielteste und dauerhafteste Nachfolge dieser frühen Graphikeditionen mit ihrem kunstpädagogischen Anspruch stellt sich in der Griffelkunst-Vereinigung Hamburg dar, deren Gründung durch die nahezu gleichzeitige Entstehung der ersten Buchgemeinschaften beeinflusst wurde.
Johannes Böse leitete die Griffelkunst-Vereinigung bis zu seinem Tode im Jahre 1956 ehrenamtlich und alleinverantwortlich. Seine Tochter Gerda Böse führte die Vereinigung bis zu ihrem Ausscheiden weiter. Seit 1964 ist die Griffelkunst-Vereinigung ein demokratisch geführter Verein mit Vorstand, Beirat und Geschäftsführer. Das Graphikangebot wird von einer bestellten Jury ausgewählt. Das Angebot der Edition setzt sich heute im wesentlichen aus drei Bereichen zusammen. Historische Beispiele, etwa des späten 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts, stehen neben graphischen Arbeiten der jüngsten Zeit, Als Ergänzung finden sich qualitätsvolle Beispiele der Photographie. Ein Grundprinzip der Auswahl geht dahin, das Mitglied immer auch mit neusten Tendenzen der Kunstentwicklung und schwierigen Werken bekannt zu machen.
Die Griffelkunst hat zur Zeit ca. 4.400 Mitglieder in ganz Deutschland. Es bedarf keiner besonderen Voraussetzungen der Vereinigung beizutreten. Die Aufnahme erfolgt nach frei werdenden Plätzen. Momentan beträgt die Wartezeit nach Antragstellung drei Jahre. Für die Aufnahme berechnen wir eine einmalige Bearbeitungsgebühr (EUR 20,-). In dem Jahresbeitrag von EUR 132,- ist der Bezug von vier original signierten Graphiken bzw. Photographien enthalten. Posthume Editionen werden durch die Inhaber der Nachlassrechte autorisiert.
Bei jeder Bilderwahl können darüber hinaus beliebig viele weitere Graphiken aus dem aktuellen Angebot erworben werden. Jedes Blatt ist jedoch pro Mitglied nur ein Mal erhältlich. Ergänzend zu dem Wahlangebot, aus dem die Quartalsblätter und eventuelle Zusätze (in der Regel EUR 33,- pro Motiv) ausgesucht werden, besteht die Möglichkeit, sogenannte Einzelblätter zu bestellen, die unabhängig vom Jahresbeitrag verrechnet werden. Auch dabei handelt es sich um original signierte Editionen (Graphik, Photographie, Multiples), die ausschließlich Griffelkunst-Mitgliedern zum Kauf zur Verfügung stehen. Das gleiche gilt für unseren Bestand aus vorangegangen Wahlen. Auch diese Editionen können nur von Mitgliedern erworben werden.
Zweimal jährlich, jeweils in den Monaten Mai und November, zeigen wir die zur Wahl stehenden Editionen in Hamburg und an 87 weiteren Orten im Bundesgebiet. Die genauen Ausstellungstermine und Adressen finden Sie auf der Seite der Griffelkunst-Vereinigung (griffelkunst.de) Die Ausstellungen finden unter ganz unterschiedlichen Bedingungen statt: In privaten Räumen und öffentlichen Institutionen, in großen und in überschaubaren Gruppen, in Großstädten und kleinen Ortschaften. Die Leiterinnen und Leiter unserer Zweigstellen sind ehrenamtlich tätig.
Die im vorherigen Quartal gewählten und subskribierten Graphiken liegen in den Gruppen zur Abholung bereit. Das heißt, wer im Herbst zur Bilderwahl kommt, nimmt gleichzeitig seine im Frühjahr ausgesuchten Graphiken mit. Die bei dem Ausstellungsbesuch selbst bestellten Editionen werden dann im darauffolgenden Frühjahr ausgeteilt. Nicht abgeholte Blätter werden nach der Ausstellung kostenpflichtig verschickt.
Mit dem Eintritt in die Griffelkunst-Vereinigung verpflichtet sich jedes Mitglied, keinen Handel mit den erworbenen Graphiken zu betreiben.Bei Missachtung dieser Ehrenerklärung behalten wir es uns vor, ein Mitglied aus der Vereinigung auszuschließen.